Finn-Niklas Siebert hat bereits die ersten Einheiten selbst geleitet. Foto: HVNB

Vom Schiedsrichter zum Referenten: „Einfach ausprobieren“

Finn-Niklas Siebert über seinen Weg zum Referenten im Schiedsrichterwesen.

Wie wird man eigentlich Referent? Warum sollte ich Referent werden? Und was macht diese Aufgabe so besonders? Genau darüber spricht Finn-Niklas Siebert, angehender Referent im Schiedsrichterwesen, in diesem Interview. Finn-Niklas Siebert hat in diesem Jahr seine Entwicklung zum Referenten im Rahmen des Re:Grow-Projekts des Handballverbandes Niedersachsen-Bremen e.V. (HVNB) begonnen. Ziel des Projekts ist es, neue Referierende zu gewinnen, gezielt auszubilden und langfristig für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu begeistern.

Durch eine strukturierte Begleitung werden Einstiegshürden abgebaut und angehende Referierende Schritt für Schritt an ihre Aufgaben herangeführt. Gleichzeitig fördert Re:Grow eine nachhaltige Kultur des Miteinanders sowie den fachlichen Austausch unter den Referierenden.

Im Interview gibt Finn persönliche Einblicke in seinen bisherigen Weg, berichtet von seinen Erfahrungen und erklärt, warum sich das Engagement als Referent lohnt.

HVNB: Stell dich doch einfach einmal ganz kurz vor. Wer bist du und welche Erfahrungen bringst du bereits aus dem Handball mit?

Finn: Ich bin Finn-Niklas Siebert, 25 Jahre alt, und seit 2008 im Handball aktiv. Angefangen habe ich bei Buchholz-Rosengarten beziehungsweise damals noch beim TSV Buchholz 08. Dort habe ich alle Jugendmannschaften von den Minis bis zur A-Jugend durchlaufen und später für knapp ein halbes Jahr als Spielertrainer der zweiten Herren fungiert.

Seit 2015 bin ich außerdem Schiedsrichter. Während meines FSJ 2019 habe ich die C-Trainer-Lizenz Handball gemacht. Danach habe ich einige Jahre verschiedene Mannschaften trainiert. Seit 2025 konzentriere ich mich komplett auf den Schiedsrichterbereich, sowohl auf meine eigene Laufbahn als Regionalliga-Schiedsrichter als auch auf die Ausbildung zum Referenten für Aus- und Fortbildung.

HVNB: Du hast schon gesagt, du bist jetzt auf dem Weg Referent zu werden. Wo stehst du aktuell in deinem Entwicklungsprozess?

Finn: Ich durfte jetzt in alle Blöcke einmal als Referent hineinschnuppern. Im dritten Block konnte ich bereits einiges selbst vorbereiten und sowohl Theorie- als auch Praxisanteile übernehmen. Gemeinsam mit den Referentenkollegen, dem Lehrwart der Handballregion Lüneburg-Stade, Marcel Toske, und dem Lehrwart des HVNB, Kevin Kortz-Bruns, habe ich zudem schon meine erste Prüfung abgenommen.

HVNB: Was hat dich motiviert, Referent zu werden?

Finn: Mir war es mir schon die letzten Jahre ein Anliegen, junge Schiedsrichter in der Ausbildung oder die ihre Ausbildung gerade abgeschlossen haben, zu unterstützen. Im Verein habe ich bereits Nachwuchs-Schiedsrichter begleitet habe und sie ihren ersten Spielen gecoacht. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht.

Eigentlich wollte ich mich dann auch als Schiedsrichter-Coach bewerben. Das ließ sich zeitlich, aber nicht so gut mit meinen eigenen Zielen als Schiedsrichter vereinbaren. Mit dem Referieren habe ich für mich nun eine andere Möglichkeit gefunden, junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zu unterstützen.

HVNB: Du hast jetzt schon ein bisschen Erfahrung als Referent sammeln dürfen. Was bedeutet es denn für, Referent zu sein?

Finn: In erster Linie geht es mir darum, guten Schiedsrichternachwuchs auszubilden. Wir wissen alle, dass wir von der untersten Liga bis hinein in den DHB einen Schiedsrichtermangel haben. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir guten Nachwuchs gewinnen und ausbilden können.

Außerdem möchte ich jungen Menschen die Begeisterung und den Spaß am Pfeifen vermitteln. Mir ist wichtig, junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter an die Hand zu nehmen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen einen Mehrwert zu bieten.

HVNB: Wie würdest du den Weg zum Referenten beschreiben? Welche Schritte durchläuft man?

Finn: Der erste Schritt ist ein Gespräch mit Jan Gerber [Bildungsreferent im HVNB] und Hans Christian van Hoorn oder Kevin Kortz-Bruns [Lehrpersonen im Schiedsrichterwesen des HVNB]. Dann gibt es ein Treffen der Referierenden, wo über verschiedene Themen gesprochen wird. Anschließend folgt normalerweise ein Mentoring, bei dem man sich mit einem Mentor austauscht. Das hat bei mir aufgrund größerer Veränderungen im Privatleben nicht stattgefunden. Stattdessen habe ich direkt Unterstützung von den Referenten der Lehrgänge bekommen, die ich begleitet habe.

Danach beginnt die Praxisphase. Dabei begleitet man die einzelnen Blöcke gemeinsam mit den jeweiligen Lehrgangsleitern und Hauptreferenten. Irgendwann folgt dann als letzter Schritt die offizielle Berufung, so wurde mir das jedenfalls erklärt.

HVNB: Welche Rolle hat es für dich gespielt, dass du noch jemanden an der Hand hattest, mit dem du dich austauschen konntest.

Finn: Da ich dazu neige, gerne viel zu reden und mich an einem Thema mal aufzuhängen, war es schon hilfreich, jemanden dabei zu haben, der notfalls eingreifen kann.

Grundsätzlich war es dann aber auch gut, während der Pausen auch noch eine gewisse Reflexion zu haben, wie man z.B. nach außen wirkt, oder inhaltliche und organisatorische Themen zu besprechen. Dawaren die Reflexion und die Hilfestellung der Referenten auf jeden Fall wichtig.

HVNB: Was war denn bisher dein größtes Highlight?

Finn: Für mich waren die Blöcke an sich ein Highlight, weil eigentlich alles erschreckenderweise gut lief. Und ich glaube zu sehen, dass alle erfolgreich durch die Prüfung kommen, ist natürlich etwas Besonderes.

Ein schönes Erlebnis war aber auch, auf Instagram Bilder von Vereinen zu sehen und dort Schiedsrichter zu entdecken, die ich selbst ausgebildet habe. Das macht schon Spaß, weil man merkt, dass die Leute dort ankommen, wo sie hinwollen. Auch die Entwicklungssprünge der Teilnehmenden innerhalb der einzelnen Blöcke zu sehen, ist schon ein Highlight.

HVNB: Gab es etwas, was dich bisher sehr überrascht hat?

Finn: Ich glaube, es ist tatsächlich der Unterschied zwischen den einzelnen Lehrgangsgruppen, der mich überrascht hat. In dem Sinne, dass die verschiedenen Lerngruppen so unterschiedlich sind.

HVNB: Worauf freust du dich denn am meisten, wenn du zu Lehrgängen fährst?

Finn: Ich hatte zum Beispiel einmal die Situation, dass zwei Lehrgangsteilnehmer bei einem Spiel in der Halle waren, das wir gepfiffen haben. Am nächsten Tag beim Lehrgang haben wir uns dann noch einmal darüber ausgetauscht.

Außerdem freut man sich natürlich auf die anderen Referenten. Und die besondere Stimmung auf den Lehrgängen ist etwas, worauf ich mich als Teilnehmer aber auch Referent jedes Mal wieder freue.

HVNB: Warum lohnt es sich aus deiner Sicht, Referent zu werden?

Finn: Weil wir Schiedsrichternachwuchs brauchen und genauso auch Nachwuchs bei den Referenten. Also ganz platt gesagt: Gute Schiedsrichter können nur ausgebildet werden, wenn es auch gute Referenten gibt.

Dafür braucht es Menschen, die Spaß daran haben, vor Gruppen zu stehen, mit ihnen zu interagieren, Präsentationen zu halten und an der einen oder anderen Stelle auch pädagogisch zu arbeiten. Als Referent hat man die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten und etwas weiterzugeben.

HVNB: Was würdest du denn jemandem sagen, der grundsätzlich Interesse hätte, Referent zu werden, aber sich vielleicht noch nicht traut?

Finn:  Einfach ausprobieren. Einfach die Lehrwarte in eurer Region ansprechen und lauft einfach mal mit. Am Anfang muss man gar keine Theorie- oder Praxisanteile übernehmen, sondern einfach mal in die Arbeit des Referenten reinschnuppern und das einfach mal aus dieser Perspektive zu beobachten

Danach kann man immer noch entscheiden, ob das etwas für einen ist oder nicht. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, sich das einmal anzusehen, mitzulaufen und vielleicht auch die ersten ein oder zwei Unterrichtseinheiten selbst auszuprobieren. Ich kann nur sagen: Habt Spaß und probiert es aus!

HVNB: Vielen Dank für das Interview!

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