
Buxtehuder SV schwimmt auf der Welle zum Meistertitel
A-Jugend-Bundesliga weiblich: 38:26-Sieg im Endspiel gegen Hannover-Badenstedt.
Sie hatten die weiteste Anreise der vier Mannschaften, die am Wochenende am Final Four um die deutsche Meisterschaft der weiblichen A-Jugend in Bensheim teilnahmen, aber die Rückreise in den hohen Norden machte dem Buxtehuder SV am Sonntagabend auch nichts mehr aus. „Wir sind ja im großen Bus hier und haben uns schon etwas ausgedacht“, sagte Trainer Marc Hünerbein, dass die sieben, acht Stunden auf den Autobahnen nicht abschrecken. Voller Euphorie, ausgelassen und vor allem mit Meistertrophäe sowie den Goldmedaillen verließ der BSV die Weststadthalle, einige der zahlreich mitgereisten Fans machten sich schon vor dem Bus in Kleinbussen mit laut aufgedrehter Musik vom Hallenparkplatz auf. Bei allem, was Blau-Gelb trug, herrschte beste Stimmung nach dem ersten A-Jugend-Meisterschaftsgewinn seit dem Jahr 2017. Mit 38:26 behielt man im Endspiel gegen den TV Hannover-Badenstedt die Oberhand.
Trainer Hünerbein hatte genauso wie seine drei Amtskollegen der anderen Halbfinalisten ein ausgeglichenes Teilnehmerfeld beim Final Four erwartet, aber ein so großes Event ist auch immer mit der Frage verbunden, wie der Kopf mitspielt und die Nerven halten. Das gelang am Samstag dem späteren Meister aus Buxtehude und dem TV Hannover-Badenstedt besser als Gastgeber HSG Bensheim/Auerbach und der HSG Stuttgart-Metzingen. Badenstedt schaltete Stuttgart aus (29:27), Bensheim musste sich Buxtehude mit 23:30 geschlagen geben. „Die Minuten 10 bis 20 haben das Spiel entschieden“, erklärte Bensheims Trainer Jan Willner. Diese Phase ging mit 10:0 an den BSV. Ansonsten bestand ergebnistechnisch kein großer Unterschied. „Unser Problem war die Chancenverwertung“, ergänzte Willner. Unter anderem vergaben die Südhessinnen sechs von neun Siebenmetern gegen Nationaltorhüterin Lina Steinecke. Mit seiner Zwei-Tore-Niederlage war Stuttgart-Metzingen gegen Hannover-Badenstedt nicht weit vom Finale entfernt, aber die gezeigte Leistung der „TuSsies“ konnte den TVBH nicht vom Endspiel abhalten. „Wir konnten unsere Leistung leider nicht abrufen, sind nicht in unseren Flow gekommen“, musste Trainerin Veronika Goldammer konstatieren. Vier, fünf gegnerische Gegenstöße zogen die HSG mental nach unten, und in Chiara Rohr sowie Jule-Marie Jördens hatte die Mannschaft aus Niedersachsen zwei überragende Spielerinnen auf der Platte, die 22 von 29 Toren erzielten.
Die Niederlage schaffte Goldammers Team über Nacht gut aus den Köpfen. „Wir haben gegen Bensheim das gezeigt, was uns ausmacht: Leidenschaft und Spielfreude, und das in jeder Minute.“ Mit taktischer Disziplin und einer Abwehr, die beherzt zupackte, setzte man Bensheim unter Druck. In Verbindung mit mutigem Spiel nach vorn, ergab sich ein klarer Ergebnis-Unterschied und eine verdiente Bronzemedaille für den 35:25-Erfolg im Spiel um Platz 3. „Aus einem Spiel wie am Samstag lernt man. Davon nehmen die Mädels viel mit. Aber im Sonntag hatten wir einen gebrauchten Tag. Auch wenn es sich hart anhört, war es leider ein kollektives Versagen. Wir haben die Grundlagen deutlich schlechter gemacht. Zweikampf-Führung und Passqualität waren nicht gut genug. Leider konnten wir nicht an unsere guten Leistungen aus dieser Saison anknüpfen“, zog Willner sein Fazit.
Im Endspiel setzte eine Sequenz gegen Mitte der ersten Halbzeit den BSV auf eine Welle, von der er nicht mehr herunterkam. Torhüterin Steinecke leitete mit perfekten Pässen zwei, drei Gegenstöße ein, die zu einfachen Toren führten. Enna Thöming traf per „Hattrick“ zum 10:6 für Buxtehude. „Wir haben uns an unsere Absprachen gehalten und den Matchplan sehr gut umgesetzt“, freute sich Hünerbein. „Wir haben das Spiel in der Abwehr gewonnen. Sie gab uns Sicherheit für den Angriff.“ Von der Euphorie angetrieben, gab’s kein Halten mehr. „Buxtehude hat cleverer gespielt. Wir haben uns in der Abwehr zu sehr herausziehen lassen, außerdem fehlten eine Portion Härte und die Konzentration. Den Unterschied haben unsere Ballverluste ausgemacht“, schilderte Hannovers Trainer Domenik Pflughaupt.
Nach dem 13:18-Rückstand zur Pause versuchte er A-Nationalspielerin Chiara Rohr mehr ins Spiel einzubringen. Sie rotierte von der angestammten Außenposition auf Rückraum Mitte, aber auch mit diesem selten gesehenen Schachzug ließ sich Buxtehude nur szenenweise aushebeln.
Der Meister egalisierte mit 38 Finaltreffern einen Torrekord in einem Finale der weiblichen A-Jugend. Im Jahr 1999 kam der VfL Waiblingen auf die gleiche Trefferanzahl. Besser war noch niemand im Spiel um den Titel.
Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch, U20-DHB-Trainer-Christopher Nordmeyer, U18-Bundestrainer Gino Smits, DHB-Chef-Bundestrainerin weiblich Heike Ahlgrimm und DHB-Trainerin Zuzana Porvaznikova nahmen nicht nur die Siegerehrung vor, sie kürten auch die besten Spielerinnen des Final Fours. Im Tor fiel die Wahl auf Buxtehudes Lina Steinecke, ihre Mannschaftskollegin Leni Stolle freute sich über die Auszeichnung zur besten Spielerin des Turniers, Hannovers Nele Kurok überzeugte als beste Abwehrspielerin und Chiara Rohr führte mit 24 Treffern die Torschützenliste der beiden Tage von Bensheim an.
„Wir haben geile Spiele und individuell super Sachen auf hohem Niveau gesehen. Ihr befindet euch auf einem guten Weg. Bleibt ehrgeizig und arbeitet weiter hart an euch, wenn ihr Bock habt, an weiteren, noch deutlich größeren Final Fours teilzunehmen“, richtete Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch motivierende Worte in Richtung der Spielerinnen. „Alle nehmen von diesem Wochenende viel mit für die Zukunft. Es gibt die eine oder andere Spielerin, die wir in Zukunft in hohen Ligen sehen werden. Das alles ist nur möglich, weil sie bestmöglich unterstützt werden durch Familie, Eltern, Trainer und den ganzen Betreuerstab in den Vereinen“, sagte DHB-Vizepräsident Carsten Korte, der sich auch bei der HSG Bensheim/Auerbach für die tolle Ausrichtung des Turniers bedankte. „Die vielen ehrenamtlichen Helfer haben es ermöglicht, dass wir zwei tolle Tage erleben durften.“
Quelle: handball.net/René Weiss
